Alkoholprävention ist bei Jugendlichen Gebot der Stunde
Diskutierten mit der Bundessuchtbeauftragten Mechthild Dyckmans ( vorne links): FDP-Landtagsabgeordneter René Rock (links, 2. Reihe), der 2. Vorsitzende des DRK in Seligenstadt Michael Schuster (3. Reihe links), Werner Nickel, FDP- Kreistagsabgeordneter (hinten Mitte), Axel Vogt, FDP Kreistagsabgeordneter und Kreisausschuß-Mitglied (3. Reihe, rechts) sowie die Mitarbeiter der Suchthilfestelle Wildhof und des Kreises Offenbach.
Einige Zahlen: Die Krankenhauseinweisungen wegen Alkoholvergiftung von Kindern und Jugendlichen steigen seit Jahren an: Allein im Kreis Offenbach, so fanden Suchtberater des Suchthilfezentrums Wildhof heraus, wurden im Jahr 2000 25 Fälle gezählt, im vergangenen Jahr waren es schon 119 Patienten. Jugendliche starten ihre „Alkoholkarriere“ statistisch gesehen im Alter von 13,4 Jahren. Aus der Praxis schilderte Michael Schuster, stellvertretender Vorsitzender des DRK in Seligenstadt, einige Fälle: In Seligenstadt als südhessischer Fastnachtshochburg wurden 2009 rund 100 völlig betrunkene von Ärzten und Sanitätern behandelt, knapp über die Hälfte waren Mädchen. „Dabei wurden Alkoholkonzentrationen zwischen 1,8 und 2,5 Promille festgestellt“, weiß Schuster. René Rock, der auch Vorsitzender des Roten Kreuzes in Seligenstadt ist, unterstrich die Notwendigkeit, zu handeln und das Bewusstsein für diese Problematik zu thematisieren. Ein erstes Gespräch mit der Stadt Seligenstadt wurde geführt, in 2010 gingen die Fallzahlen auf 40 bis 50 im Umfeld der Fastnacht zurück.
Mit dem Projekt „HaLT“ werden jetzt erste Schritte gegangen. Die Suchtberater der Beratungsstelle Wildhof und der Kreis Offenbach schaffen damit ein Netzwerk von Jugendbehörden, Ärzten, Schulen, der Polizei und Vereinen sowie Rettungspraktikern. Dabei werden mit jugendlichen Alkohol-Patienten Gespräche geführt, ebenso mit ihren Eltern. Dyckmans: „Dabei soll der Alkohol als Kulturgut nicht verteufelt werden. Selbstschädigendes Verhalten von Kindern und Jugendlichen und der Missbrauch der Droge müssen aber deutlich genannt und aufgezeigt werden.“ Unter anderem mit Workshops in Schulen soll „HaLT“ dies erreichen. Die Sensibilisierung von Jugendlichen und Erwachsenen für dieses Thema sei Gebot der Stunde, so Rock. Mechthild Dyckmans betonte auch den notwendigen Vorbildcharakter der Eltern. Konkret bieten die Suchtberater von Wildhof an, gerade während der „tollen Tage“ zentral in der Asklepios-Klinik in Seligenstadt vor Ort zu sein und erste Beratungsgespräche mit den eingelieferten jugendlichen Alkoholpatienten zu führen. Rock sieht jetzt die Stadt Seligenstadt in der Pflicht gemeinsam mit den Wildhof-Experten dieses Angebot anzunehmen und zum Wohl der Kinder und Jugendlichen zu arbeiten.